Wer tut – und für wen? Berührung mit klarem Konsens.
Das Rad der Zustimmung lädt euch ein, Berührung einmal ganz langsam und bewusst zu erkunden – nicht als Technik, sondern als Gespräch zwischen euch. Es macht etwas sichtbar, das im Alltag oft verschwimmt: Wer tut hier gerade etwas? Und für wen geschieht es? Diese zwei einfachen Fragen sind die beiden Achsen, um die sich alles dreht.
Aus ihnen entstehen vier Räume, in denen ihr euch bewegen könnt: Dienen (ich tue etwas für dich), Annehmen (du tust etwas für mich), Nehmen (ich tue etwas zu meinem Genuss, mit deiner Erlaubnis) und Erlauben (ich schenke dir den Raum, mich zu deinem Genuss zu berühren). Jeder Quadrant fühlt sich anders an – und genau darin liegt die Einladung.
Nehmt euch Zeit, in eurem Tempo. Hier gibt es nichts richtig zu machen und niemanden zu beeindrucken. Wenn ihr mögt, lest erst gemeinsam die Quadranten, klärt euren Rahmen – und lasst euch dann vom Drei-Minuten-Spiel führen.
„Ein „Nein“ ist ein Geschenk – es macht jedes „Ja“ erst echt.
Übungen
Gut zu wissen
Die zwei Achsen: Wer tut – und für wen?
Betty Martins Rad der Zustimmung entsteht aus zwei sich kreuzenden Fragen. Die eine: Wer ist gerade aktiv, wer tut etwas? Die andere: Zu wessen Nutzen geschieht es? Erst wenn beides geklärt ist, wird aus Berührung bewusste Zustimmung. Diese Trennung von Tun und Nutzen ist der Kern des Modells.
Betty Martin, The Art of Receiving and Giving (2021)
Die vier Quadranten
Aus den zwei Achsen ergeben sich vier Felder: Dienen (ich tue es, für dich), Annehmen (du tust es, für mich), Nehmen (ich tue es, für mich) und Erlauben (du tust es, für dich). Jeder Quadrant hat sein eigenes Geschenk und seine eigene Herausforderung – und alle vier sind gleichwertig.
Betty Martin, Wheel of Consent
Warum „Nehmen“ oft am schwersten fällt
Vielen fällt der Quadrant „Nehmen“ am schwersten: aktiv etwas zum eigenen Genuss zu tun und dabei die Erlaubnis der anderen Person wirklich anzunehmen. Wir sind oft geübter darin, zu geben oder höflich zu sein, als darin, einen klaren eigenen Wunsch zu äußern. Genau hier liegt für viele die größte Entdeckung.
Betty Martin, School of Consent
Zustimmung ist eine fortlaufende Vereinbarung
Konsens ist kein einmaliges Ja am Anfang, sondern ein lebendiger, fortlaufender Austausch. Er kann sich von Moment zu Moment verändern, und jede Person darf ihre Meinung jederzeit ändern. Ein vorab vereinbartes Stopp-Wort und das Wissen, dass ein Nein willkommen ist, halten diesen Raum sicher und offen.